Was für ein Abend! Am 2. Oktober wurde das Palatin zur Bühne für alles, was Demokratie lebendig macht: Informationen, Theater, Vorträge, Poetry-Slam und Film. Gemeinsam mit der Volkshochschule Südliche Bergstraße und dem Palatin hatten wir als Bündnis für Demokratie und Toleranz zur „Langen Nacht der Demokratie“ eingeladen – und der Abend hat eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig und lebendig bürgerschaftliches Engagement in Wiesloch ist.

Ein Foyer voller Engagement
Schon beim Betreten des Foyers war spürbar, wie breit das Ehrenamt in unserer Stadt aufgestellt ist. An zahlreichen Ständen stellten lokale Gruppen und Institutionen ihre Arbeit vor: Amnesty International, die Bürgerstiftung, das Frauenforum, Fridays for Future, die Wieslocher Tafel, das Kulturforum Südliche Bergstraße, die Landeszentrale für politische Bildung, die Partnerschaft für Demokratie und natürlich auch wir vom Bündnis für Demokratie und Toleranz. Überall wurde informiert, diskutiert und vernetzt – genau so soll es sein.
Gesichter, Geschichte und Sichtbarkeit
Umrahmt wurde das Ganze von drei Ausstellungen, die zum Verweilen einluden. Die „Demokratiegesichter“ zeigten die Porträts von 181 Wieslocherinnen und Wieslochern, die im Juli entstanden sind – ein starkes Bild dafür, wie viele Menschen in unserer Stadt Haltung zeigen und für demokratische Werte einstehen.
Die Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“ erinnerte an Elisabeth Selbert, Frieda Nadig, Helene Weber und Helene Wessel, ohne deren Einsatz unser Grundgesetz heute anders aussähe. Und die Fotoausstellung „inVISIBLE. UnSICHTBAR“ von Nicole Boch, entstanden am Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN), rückte Situationen aus dem Leben psychisch kranker Menschen ins Blickfeld, die sonst allzu oft im Verborgenen bleiben.
Auch das Kulturforum Südliche Bergstraße nutzte den Abend, um auf fast 15 Jahre Engagement zurückzublicken. In stillem Gedenken erinnerte es dabei an sein kürzlich unerwartet verstorbenes Vorstandsmitglied Jürgen Grimm.
Was heißt eigentlich „gleich“?
Im voll besetzten Minnesängersaal ging es dann um einen der bekanntesten Sätze unserer Verfassung: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Prof. Towfigh (EBS Universität / Max-Planck-Fellow) zeigte, wie viel in diesen wenigen Worten steckt. Ein historischer Werbespot aus dem Jahr 1954 machte dabei schmunzelnd, aber auch nachdenklich deutlich, wie lang der Weg zur tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen war. In der anschließenden Diskussion ging es um aktuelle Fragen von Ungleichbehandlung und die politischen Herausforderungen unserer Zeit.
Junge Stimmen, starke Worte
Für Gänsehautmomente sorgte die Theaterperformance „Vielstimmigkeit“, die drei Schüler des Otto-Graf-Gymnasiums gemeinsam mit Theaterpädagogin Chiara Hunski entwickelt hatten.
Danach gehörte die Bühne dem Poetry-Slam. Vier Künstlerinnen und Künstler näherten sich dem Thema Demokratie auf ganz eigene Weise: Alexandra blickte aus der Sicht der „Mütter des Grundgesetzes“ auf den heutigen Zeitgeist. „nicht ganz dichter“ riss das Publikum mit seinem Song und dem Refrain „Demokratie, jetzt oder nie“ mit. Lateesha Halmen, Poetry-Slammerin und Stadträtin aus Aschaffenburg, teilte sehr persönliche Erfahrungen mit Rassismus und Klischeedenken. Und Jonas machte Gedankenfreiheit und freie Meinungsäußerung zu seinem Thema.
Großes Kino zum Schluss
Den stimmungsvollen Ausklang bildete der Spielfilm „Sternstunde ihres Lebens“ mit Iris Berben. Er erzählt, wie Elisabeth Selbert dafür kämpfte, den Gleichberechtigungssatz ins Grundgesetz zu bringen – und schlug damit einen schönen Bogen zur Ausstellung im Foyer und zum Vortrag des Abends. Dass zum Ende noch rund 70 Gäste im Saal saßen, spricht für sich.
Danke – und wie es weitergeht
Oriana Gradl vom Bündnis für Demokratie und Toleranz zog ein rundum positives Fazit und bedankte sich für die gelungene Zusammenarbeit aller Beteiligten. Dem schließen wir uns von Herzen an: Danke an alle Mitwirkenden, Aussteller*innen und Gäste, die diesen Abend möglich gemacht haben!
Und es geht weiter: Unsere Reihe „Schatzkammer Grundgesetz“ macht ihre nächste Station am Dienstag, 17. November, an der Bertha-Benz-Realschule. Dann steht Artikel 4 im Mittelpunkt – die Glaubens- und Gewissensfreiheit. Wir freuen uns darauf, Sie und euch dort wiederzusehen!

